Nachtrag

Ich war im zweiten Jahr diesem Blog nicht so treu wie ich es hätte sein sollen. Glücklicherweise hat dieser Blog jedoch keine Gefühle und will sich deswegen auch nicht von mir trennen. Ich auch nicht von ihm, denn er ist mir sehr ans Herz gewachsen als öffentliches Tagebuch und es wundert mich auch jeden Monat wieder neu, dass es doch noch Menschen gibt, die sich manchmal hierherverirren (eine kleine Statistik verrät mir, dass es insgesamt mehr als 14000 aus 130 Ländern waren). In diesem vorerst letzten Post, in dem es um meine Zeit am UWC Adriatic geht, wollte ich also nutzen, um mich bei euch allen zu bedanken. Zuerst bei der deutschen Stiftung UWC, die diesen völlig absurden Traum eines eigentlich ganz normalen kleinen Mädchens möglich gemacht hat. Meiner Familie für die Verwirklichung dieses Traumes und für all die Opfer, die sie erbracht haben, um mich diese wundervollste Erfahrung meines Lebens machen zu lassen. Meinen Freunden aus aller Welt, die diese Erfahrung so wundervoll gemacht haben, und meinen Freunden zu Hause, die mich trotz meiner Untreue immer wieder mit offenen Armen empfangen haben. (So, und jetzt fühle ich mich endgültig wie so ein berühmter Schriftsteller oder Superstar, der seinen Fans zujubelt. Verzeiht mir!)

Diesen letzten Post will ich auch dazu nutzen anzukündigen, dass die Bewerbung für UWC 2015-2017 inzwischen geöffnet (und hier erreichbar) ist. Ich beantworte gerne alle eure Fragen in den Kommentaren, entweder direkt, per Email, über facebook oder über Skype. Schreibt mich einfach mal an! :) Übrigens wird euch auch in dieser Facebook-Gruppe geholfen.

Jetzt will ich aber auch zum eigentlichen Sinn meines Eintrages kommen: nämlich einer kurzen Zusammenfassung der letzten Monate (von Sendepause bis zum Deutschexamen) zu bieten. Ich will nicht zu viel schreiben, deswegen gibt es auch hier viele Bilder (in wechselnder Qualität). Divertitevi!

Nummer 1 der verpassten Höhepunkte: Die LATINI SHOW!

Latini show - THIS IS US

Latini show – THIS IS US

Zu guter letzt waren auch unsere lieben Südamerikaner mit ihrer National Week dran. Was da kam war eine Mischung aus viel Tanz und nackter Haut (was man so kennt), Filmeabende über Kriminalität und organisiertes Verbrechen und andere politische Themen in Südamerika (was man fast vergessen hatte) und wunderschöne Lieder und Gedichte (was ich nicht erwartet hatte). Alles in allem war es eine großartige Woche!

Nummer 2: MEIN ERSTE HILFE ZERTIFIKAT!

Ein Erste Hilfe Zertifikat

Ein Erste Hilfe Zertifikat

Ja, man mag es kaum glauben, aber auch dieser Kurs hat ein Ende gefunden und Lena hat ihre Prüfung bestanden. Nach einer kurzen Demonstration meiner Wiederbelebungskünste und einer exzellenten Präsentation über unser Atemsystem auf Italienisch (*hüstel*), können wir uns nun stolze Besitzer einer Grundkurs-Abschließe-Zertifikats nennen :) Und viel gelernt haben wir auch!

Nummer 3: HOLI!

Holi

Holi

Ja, nicht wie das Holi in deutschen Großstädten wurde Holi bei uns am richtigen Tag gefeiert. Und anders als das Holi in deutschen Großstädten hatten wir keinen biologisch hergestellte und hautverträgliche Farben, sondern nur drei Tütchen mit indischem Zeugs und einen Haufen Mehl. Deswegen ging unser Holi auch nicht wie in deutschen Großstädten mehrere Tage, sondern nur 15 Minuten. Dann waren alle weiß (wenn sie es nicht sowieso schon davor waren). Aber Spaß hatten wir trotzdem! :)

Nummer 4: MODEL UNITED NATIONS!

Das hartarbeitende Crisis Team

Das hartarbeitende Crisis Team

Auch dieses Jahr wieder, war ich im Crisis Team dabei, diesmal als Organisatorin. Beim Crisis Team geht es darum, die Diskussionen der Komitees durch neue Entwicklungen anzuregen, zu beeinflussen oder einfach herauszufordern. Dieses Jahr haben wir uns dafür zum Beispiel der spektakulären Entführung eines Delegierten mit anschließender Skype-Verhandlung über Freilassungsbedingungen zunutze gemacht.

Nummer 5: LEAVER’S DINNER

6.30 Uhr. Die früheste Zeit, zu der alle schon (oder noch) wach waren!

6.30 Uhr. Die früheste Zeit, zu der alle gleichzeitig schon (oder noch) wach waren!

Am letzten Schultag ist es Zeit für das Leaver’s Dinner. Warum das so heißt, weiß ich auch nicht, denn an dem Tag ist es noch mehr als ein Monat, bis das Schuljahr tatsächlich aufhört. Alle Secondi werden in großen Bussen in ein Restaurant gefahren, wo mit allen Lehrern ein großes Abendessen mit anschließendem Viele-Fotos-Machen stattfindet. An  dem Abend wird auch die time capsula gefüllt. Eine Zeitkapsel, in der wir einen Gegenstand hinterlassen können. Bei unserer Klassenfeier in 10 Jahren, wird die Box dann wieder geöffnet und jeder bekommt, was er damals abgegeben hat (vorausgesetzt die Italiener verschlampern es nicht). Nach dem Essen geht es wieder nach Hause und traditionell haben in der Zwischenzeit die Primi alle Zimmer verwüstet. Die Nacht verbringen alle Secondi im Schulgebäude, wo wenig geschlafen, am generation song geschrieben und Briefchen vorbereitet werden. Und unser Bild zeigt den Morgen danach: um 6:30 Uhr wurden alle Primi aus den Betten geschmissen und zum Frühsport gezwungen. Und danach gingen wir schlafen :)

Nummer 6: STUDY WEEK!

Study Week - wie sie nicht aussehen sollte...

Study Week – wie sie nicht aussehen sollte…

Und was dann anfängt ist die Study Week. Wir haben eine Woche, bis die Examen beginnen. Nichts außer Lernen. Also nichts, worüber ich hier schreiben könnte….

…. natürlich nicht. So ernst wir die Prüfungen auch nehmen, war diese Woche wahrscheinlich die verrückteste im ganzen Schuljahr. Wenn man den ganzen Tag lernt, bleibt viel Hirnkapazität und Energie. Höhepunkte: Die Was-Tun-Wir-Im-Fall-Eines-Feuerarlarms?? Unterhaltung und Präsentation verschiedener Ideen. Obiges Bild dokumentiert den Vorschlag meiner Zimmergenossin: Aus dem Fenster springen!

Drei angehende Friseure

Drei angehende Friseure

weitere Höhepunkte: ein neuer Haarschnitt für Ziyan :)

— Dann kamen die Examen, wo es nun wirklich nichts zu schreiben gibt. Es war eigentlich recht interessant. Ich habe noch nie so gesund gelebt, immer früh schlafen gegangen und morgens aufgestanden. Und dann war irgendwie das letzte Examen (Deutsch) auch schon vorbei. Und da wir die Ergebnisse erst im Juli bekommen würden, war das dann auch erstmal aus den Augen, aus dem Sinn. Ich hatte noch eine ganze Woche bis zur Heimreise.

Und die verbrachte ich ausgiebig mit…Panikattacken. Ja, genau! Warum die Zeit entspannt und fröhlich mit Freunden verbringen, wenn man auch mit Freunden weinen könnte? Glücklicherweise haben wir auch diese Phase wieder überwunden. Und ich muss sagen, dass diese letzten Tage eine wunderschöne Zeit waren. Ich habe zum ersten Mal endlich den Sonnenaufgang beobachten können, bin im Sonnenuntergang schwimmen gewesen, meine Familie war da und ich habe fast jede Sekunde mit Freunden verbracht und kaum bis nicht geschlafen.

Nummer 7: IB SHOW

IB Show!

IB Show!

Der letzte Abend mit einer wunderbaren Show vorbereitet von unseren Primi. Sogar die Lehrer haben sich beteiligt :)

Die Heimfahrt war dann im eng bepackten Auto. Zeugs unter den Füßen, auf dem Schoß, zwischen den Sitzen und im Kofferraum. Aber fast alles hat reingepasst und ich musste nicht wie viele andere Unmengen an Erinnerungen aussortieren (bis auf einen, der hatte einen kleinen Lieferwagen angeschleppt. Intelligenter Junge).

 

Wenn ich jetzt also an diesen Ort – Duino – zurückdenke, füllt sich mein Herz nicht mit Trauer, weil eine der schönsten Zeiten meines Lebens nun vorbei sein soll, sondern mit einer unbeschreiblichen Energie. Ich dachte, dass ich nach meiner Heimreise mit Tränen in den Augen zurückdenken würde; eigentlich zaubert aber jede Erinnerung ein kleines Lächeln auf mein Gesicht.

Ganz liebe Grüße von einer glücklichen Lena ♥

Always Home (Crossing Lines)

Let’s meet by the sea
let the waves kiss our feet
singing songs of memories

Years from now
I’ll remember how
you became a part of me.

I came here with nothing
and I still don’t know much
in fact I don’t know anything
but I was given enough.

We rise like the sun in the morning
‚cause our time here has set
as the sun comes in May, let it shine on our way,
‚cause we know that Duino is always, always home.

Bora taught me how to breathe
so come to the cliffs and dance with me
and jump into the moon – let’s see what comes…

Balconies and late night teas,
we run too fast we scrape our knees,
the rain is our symphony today

— Buongiorno
Come lay next to me,
have a sip of mind (red, red, wine),
you know, this round round orange
reminds me of our lives,
instead of tracing train tracks,
we go across the lines;
so have a sip of mind (red, red wine),
instead of tracing train tracks,
we go across the line. —

Maybe we could rise like the sun in the morning
‚cause our time her has set,
as the sun comes in May
let it shine on our way,
‚cause we know that Duino is always, always home.

Das Letzte

Hallo meine Lieben,

ich habe schon ewig nichts mehr von mir hören lassen! Meine Examen sind jetzt alle vorbei und ich genieße die letzte Woche im Sonnenschein. Ich habe eine ewig lange To-Do-Liste an Sachen, die ich schon immer mal machen wollte und langsam arbeite ich sie herunter…

Ich werde im Juni wieder schreiben, was alles in letzter Zeit passiert ist. In der Zwischenzeit wollte ich euch nur wissen lassen, dass ich noch am Leben bin. Am Samstag findet die offizielle Closing Ceremony statt. Wen es interessiert, der kann um 10.30 Uhr auf den folgenden Link klicken und sich das Live-Streaming ansehen, um doch irgendwie dabeizusein :)

http://www.justin.tv_uwc_adriatic

Bis sehr bald, Deutschland!

Lena

Lena und die Fische

Hallo meine Lieben,
Meine lange Abwesenheit lässt sich in einem Wort erklären: Projektwoche.

Ich weiß nicht, ob ich hier schon vorher davon geschrieben habe, aber ich war für zehn Tage Segeln zwischen Duino und Kroatien, mit unserem Mathe- und Physiklehrer und drei weiteren coyears. Es war eine einmalige Erfahrung (vielleicht deswegen, weil ich herausgefunden habe, dass ich schnell seekrank werde, aber hauptsächlich weil), ich habe Delfine neben dem Boot schwimmen gesehen, bei Wind und Regen Segel gespannt und Fischerhosen, in die ich dreimal gepasst hätte, angehabt, bei vertikalem Boot Suppe gekocht (und gegessen), in der Sonne Fische gesäubert, Duschen aus Flaschen genommen, meinen ehemaligen Physiklehrer in Unterwäsche durch das Boot rennen gesehen, jeden Abend in den Schlaf geschaukelt worden (und dabei fast erfroren), einen Sonnenbrand gekriegt, im Sonnenuntergang gesegelt und Lieder mit der Gitarre gesungen und dir schönsten Dörfchen an der kroatischen Küste gesehen.

Image

Diese Projektwoche war nicht immer einfach, aber definitiv eine Erfahrung für sich und ich bin froh, diese Möglichkeit gehabt zu haben.

Diese Zeit des Jahres ist die schönste. Unsere kleine Eisdiele hat wieder offen, die Touristen häufen sich in Duino, die Trials sind geschafft und es ist noch zu früh, sich Sorgen um die richtigen Examen zu machen, die Sonne scheint und alle Deadlines sind vorbei. Ich bin gerade dabei, meinen Sommer zu planen. Unsere Zeri sind ausgewählt, also die Deutschen, die 2014-2016 auf ein UWC gehen werden (mal wieder weiß ich von allen, bis auf den-/diejenigen, die nach Italien kommen werden! Meldet euch bei Sascha!!). Aber dass neue kommen heißt unverweigerlich, dass wir gehen werden und Platz machen für eine neue Generation, die diese Erfahrungen machen darf.

Vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich erfahren, dass ich nach Italien kommen werde. Damals war ich nicht wirklich überzeugt von der Idee, Italien war zu nah, das College zu unbekannt, die Leute zu verrückt. Inzwischen ist Duino mein Zuhause und ich wäre nirgendwo lieber. Niemals hätte ich damals wissen können, welche Möglichkeiten ich haben werde, dass ich einmal Italienisch können würde, eines Nachts den Sternenhimmel Kroatiens über unserem Segelboot bestaunen würde oder jeden Tag zum Rauschen des Meeres aufwachen würde, das ich auch jetzt direkt vor mir sehe. Das Leben überrascht einen immer wieder.

Irgendwie ist es ein komisches Gefühl, zu wissen, dass unsere Zeit in Duino bald vorbei ist, dennoch bin ich auf neue Abenteuer gespannt. Aber jetzt ist es noch zu früh, über das Ende nachzudenken, also gehe ich mir jetzt ein Eis holen, lege mich ein wenig in die Sonne und gehe dann zum Matheunterricht :)

Sonnige Grüße aus Duino, dem besten zweiten Zuhause der Welt,
Lena